Der brasilianische Bundesstaat Ceará und vor allem die Gegend um Paracuru (ca. 1 Std. nördlich von Cumbuco und ca. 45 Min. südlich von Flecheiras/Flexeiras) bietet nicht nur Flachwasser- und Wellenspots in Hülle und Fülle, er gehört dank des Südostpassats und der thermischen Verstärkung durch die Dünen zu den windsichersten Gebieten weltweit in den Monaten Juni bis Januar.
In dieser Zeit ist die Windausbeute nahezu 100%, und selbst in den restlichen Monaten kann man mit einer Windwahrscheinlichkeit von 25-50% rechnen.
Der Wind weht dabei grundsätzlich immer stärker, je weiter man von Fortaleza aus Richtung Itarema (Ilha do Guajiru), Jericoacoara (liebevoll Jeri genannt) bzw. Prea fährt, südlich von Fortaleza Richtung Sao Miguel, Canoa Quebrada, Parajuru etc. weht es etwas schwächer.
Interessant ist, dass trotz des sich verändernden Küstenverlaufs der Wind bedingt durch die See-Land-Thermik an den meisten Spots in Ceara sideshore bis sideonshore weht.
In Paracuru gibt es vor allem im September und Oktober für Frühaufsteher noch eine weitere Besonderheit:
in den ersten Morgenstunden von ca. 6-8h weht der Wind manchmal side-offshore, falls gleichzeitig noch Swell und Tide passen kommen die Windsurfer selbst aus dem fernen Fortaleza für eine Frühsession vorbei.
Im Laufe des vormittags dreht der Wind dann auf sideshore, spätnachmittags oder bei schwächelndem Passat kann es durch die Dünenthermik auch mal schräg auflandig wehen.
Kitegrössen:
Für Kiter(innen) unter 75kg sind Schirme von 6qm - 12qm sowie für die 75+ Fraktion die Grössen 7-14qm zu empfehlen.
Wer sich nur nördlich von Fortaleza aufhält bzw. in der Starkwindzeit August-November unterwegs ist, kann aber eigentlich zweistellige Schirmgrössen zu Hause lassen...
Ein großer Vorteil von Brasilien bzw. Céara neben den kilometerlangen kaum bevölkerten Buchten und Stränden ist die Sicherheit vor Naturkatastrophen wie Erdbeben, Taifun, Wirbelsturm etc., die einem im Handumdrehen die ganze Urlaubsplanung zunichte machen können. Aber auch unliebsame Begegnungen mit giftigen oder gefährlichen Tieren zu Lande oder im Wasser sind hier unbekannt.
Der Spot:
Paracuru ist ein idyllisches kleines Städtchen mit ca. 25.000 Einwohnern, bisher war es vor allem bei brasilianischen Touristen für seinen ausschweifenden Karneval und die direkt am Stadtstrand gelegenen Wellenreitspots bekannt.
Der Ort Paracuru erlebte seinen ersten Boom in den 60iger Jahren mit dem Fang von Langusten, als diese aber in Ufernähe immer seltener wurden, liess das Interesse nach, bedingt auch durch die etwas abgelegene Lage an der Landspitze.
Der dann auflebende Strandtourismus konzentrierte sich vor allem auf den Nachbarort Lagoinha, so dass Paracuru beschaulich blieb, nur langsam wuchs und keine touristischen Bausünden aufweist, ganz im Gegenteil, es ist angeblich die einzige Stadt in Ceara, wo man vom Stadtplatz direkt auf´s Meer schauen kann.
Mit dem Kiteboom war dann aber plötzlich ein Land in aller Munde: Brasilien! Zunächst konzentrierte sich alles auf die Lagunen wie Cauipe bei Cumbuco sowie Taiba, es dauerte aber nicht lange bis der Kombispot PARACURU mit Riffwelle und Flachwasser entdeckt wurde.
"PARACURU - One for ALL!" könnte man sagen, denn hier kommen neben den Kitern auch die Wellenreiter und Windsurfer auf ihre Kosten:
Einen Steinwurf vom Zentrum entfernt reihen sich eine handvoll Wellenreitspots aneinander, am "Ronco do Mar" werden regelmässig Contests ausgetragen, der Wind ist hier aber leider ablandig und kiten ist nicht möglich.
Der Kitespot "Quebra Mar" (= Meer- bzw. Wellenbrecher), oder auch nach seinem Besitzer "Kaká" genannt, befindet sich ca. 5km ausserhalb Paracurus.
Dort gibt es (noch) keine Unterkunftsmöglichkeit, was den Vorteil eines unverbauten, nur von Kitern bevölkerten Strandes bietet, und viel Platz nach Luv und Lee ohne störende Hindernisse.
Übernachtet wird in einer der vielen neuen Pousadas im Ort, manche befinden sich zumindest nahe des Wellenreitstrandes.
Wer keinen Leihwagen oder Buggy hat, kommt am günstigsten mit einem Mototaxi (ca. 5 R$ = ca. 2 Euro), einem Leihmotorrad (ca. 30 R$ täglich) oder dem Taxi (ca. 15-20 R$) zum Spot, dort kann man sein Material für monatlich ca. 100 R$ in der "guardaria" (= Lagerboxen) deponieren.
Die Fahrt lohnt sich, denn mit ca. 1-2 Meter Welle am Riff und gleichzeitig Flachwasser innerhalb des Riffgürtels bei niedrigem Wasserstand ist hier für jeden was geboten, bei Flut laufen die Wellen ein bisschen choppy bis an den Strand (beachbreak), was v.a. die Locals gerne für ein Schaulaufen bzw. Schauspringen bis fast auf die Sonnenschirme nutzen.
In Lee des Riffs brechen die Wellen noch etwas höher, hier tummeln sich hin und wieder auch ein paar Windsurflocals und Wellenreiter. Wem es innerhalb des Riffs zu eng wird, der kann mit einem Schlag nach Luv kreuzen, wo bei Flut über einer Sandbank die Wellen brechen.
Eine weitere Möglichkeit, der "crowd" zu entkommen, ist ein downwinder.
Für abenteuerlustige bietet sich der Langschlag nach Lagoinha an, am Anfang hat man einen sehr schönen Blick auf Paracuru und die Dünen aus ungewohnter Perspektive, ab der Lagune des Rio Curu heisst es dann Shorebreakwellenreiten bis die Finne glüht.
In Lagoinha angekommen, kann man sich dann in einer der zahlreichen Barraccas stärken, bevor es mit dem Bus für kleines Geld noch eine interessante ca. 1,5 stündige Fahrt durchs Hinterland gibt, Fahrbier nicht vergessen!
Wer den Bus verpasst hat oder schneller zurück will, kann auch ein (teures) Buggy-Taxi nehmen...
Der 2. Downwinder beginnt am "Quebra Mar" zunächst mit einem Upwinder Richtung Taiba, wahlweise mit einem Zwischenstopp auf der Taiba-Lagune, oder bei den kleinen Fischerhütten nach den Windrädern gleich aufs Meer.
Einkaufen:
Das Stadtleben konzentriert sich sowohl tagsüber als auch nachts rund um den frisch renovierten Stadtplatz mit seiner grossen Kirche. Man findet im Zentrum Supermärkte, Apotheken, Bars, Internetcafés, Eisdielen, Bäckereien etc. und natürlich die obligatorischen Markthallen, wo man nicht nur alles mögliche und unmögliche an Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse erstehen kann, sondern auch günstig "richtig brasilianisch" essen kann, allerdings nur bis 14.30 Uhr, dann kehrt Ruhe ein bis zum nächsten Morgen.
Internet:
Es gibt rund um den Marktplatz eine handvoll Internetcafés mit Anschlussmöglichkeiten für Laptops.
Mittlerweile ist das W-LAN-Netz soweit ausgebaut, dass in einigen Pousadas und Restaurants für Gäste "gratis" Internetzugang besteht, z.B. Hotel/Restaurant "VentoBrasil", Pousada Kite Village Paracuru, Pousada Brisa and Soul und Pousada L'occitaine.
Gesundheit:
Wie in vielen südlichen Ländern üblich haben die vielen Apotheken den Charakter einer Hausarztpraxis, sie schliessen teilweise erst nach Mitternacht und helfen bei kleineren Blessuren fachmännisch und bieten alle Tabletten auch einzeln an. Für die grösseren Wehwehchen gibt es ca. 5 min. vom Zentrum ein kleines Krankenhaus, wo man schnell und freundlich versorgt wird.
Ausgehen:
Die Brasilianer gehen bevorzugt Freitag und Samstag aus, dann wird aber auch alles aufgefahren, was Krach macht. Wenn ab 22h die bis zu mannshohen Lautsprecherboxen dann auf Anweisung der Polizei leiser gedreht werden, verlagert sich das Nachtleben in einen der örtlichen Tanzschuppen, wo zum cearensischen Nationaltanz, dem Forró (sprich Foho), aufgespielt wird, oftmals mit Livebands. Am Sonntag trifft sich dann alles an einer der vielen Strandbars, die aus ihrem werktäglichen Dornröschenschlaf erwachen, bis dann kurz vor Sonnenuntergang wieder Ruhe einkehrt und die Partymeute die Heimreise antritt.
Essen und Trinken:
Paracuru ist immer noch ein recht ruhiges kleines Städtchen, auch wenn sich durch den Kiteboom nach und nach einiges tut. So gibt es mittlerweile neben den Klassikern "Formula One" (Internationale französische Küche) und "Paiol" (brasilianische Pizzas sowie verschiedene Fleischgerichte) zwei weitere Pizzerias und ein paar neue Bars mit kleinen Snacks.
Mittlerweile gibt es einige neue Bars, Restaurants und Pousadas:
Am Marktplatz heisst es abends ab ca. 20h "sehen und gesehen werden..."
Als "Szenetreff" hat sich dabei das "Piratas" entwickelt, hier gibt es mit die grösste Auswahl an Speisen und Getränken, von tapasähnlichen Vorspeisen wie z.B. Tortilla oder Tintenfischwürfeln über Pizza und Spaghetti bis Fisch und Fleisch ist eigentlich alles geboten, dazu läuft auch meistens ein Kite- oder Surfvideo.
Wer eher auf flüssige Nahrung steht, wird 20m weiter in der kürzlich eröffneten "Caipibar" fündig, dort gibt es aber auch Pizza und Pasta.
Neu seit Mai 2010 ist das "Mystico", geführt von einem symphatischen argentinischen Pärchen, die von Tortillas über Pasta bis hin zu Sushi ebenfalls ein breites Angebot haben.
Im Restaurant "Sol e Brasa" kommen vor allem die Fleischfreunde auf ihre Kosten, es wird auf dem heissen Stein serviert.
Mittags gibt es dort auch ein gutes Self-Service Buffett, gezahlt wird nach Tellergewicht.
Gleich gegenüber auf der anderen Seite der Kirche gibt es die Pizzaria "Vagalume" = Glühwürmchen.
Dort sitzt man etwas ruhiger, es gibt auch einen romantischen Innenhof.
Ausserhalb des Marktplatzes gibt es noch die Pizzerias "Pira Pizza" an der Strasse Richtung Kitestrand, sowie etwas versteckt das "Paiol" (nachfragen, oft lange Wartezeiten).
Der Klassiker seit mindestens 20 Jahren ist das "Formula 1", geführt vom Franzosen Michel, Treffpunkt der frankophilen Gemeinde. Dort sitzt man direkt am Strand mit schönem Meerblick. Michel wechselt Euro/Dollar zu einem fairen Kurs.
Etwas abseits gelegen, aber mit einem romantischen Ausblick zum Sundowner, ist das "Buena Vista Restaurant" an der Lagune des Rio Curu.
Wer mittags günstig essen gehen will, dem seien die sogenannten "Boxen" im Mercado Central (nur bis 14.30h, Box 13 als Tipp) oder das Buffet "Pardal" empfohlen. Hier sitzt und isst man mit den Locals.
Für den kleinen Hunger öffnet abends die "Cantinha do Caldo" an der Hauptstrasse 200m vom Marktplatz stadtauswärts neben der Apotheke, zur Auswahl stehen 3 verschiedene nahrhafte landestypische Suppengerichte zum Discountpreis von ca. 1 Euro.
Pousadas (Pensionen bzw. bed-and-breakfast):
link zur Übersicht der Pousadas in Paracuru
Die brasilianische Variante eines B+B gibt es eigentlich in jedem noch so kleinen Kaff. Meist sind es Doppelzimmer oder sogar kleine Chalets mit abgetrenntem Bad/Dusche, teilweise mit Klimaanlage, TV, Minibar.
Im Preis von ca. 25 Euro für das Doppelzimmer ist in der Regel ein brasil. Frühstück (Café da Manha) bestehend aus Milchcafé, Schinken-/Käseaufschnitt, Semmeln, Kuchen, Früchten... inklusive.
besonders zu empfehlen sind in Paracuru:
- Pousada Sol e Lua (www.pousadaparacuru.com)
- Pousada Paracuru Kite Village (fest in italienischer Hand)
- Pousada Brisa and Soul
- Pousada L'Occitaine (www.pousada-paracuru.com)
sowie
- Pousada Veleiro
die allerdings nach der Trennung des Besitzerpärchens nun durch eine Mauer zweigeteilt ist...
www.veleiroinn.com.br
- Pousada da Canoa
ca. 1 km zum Zentrum, grosser Garten, viel Platz, Unterbringung in einzelstehenden Chalets, Kreditkartenzahlung.
www.pousadadacanoa.com.br
sowie die Villa Verde (noch ohne Webseite).
Diese Pousada ist sehr beliebt, da sie ähnlich wie die Pousada Veleiro sehr zentral liegt, und trotzdem einen sehr grossen parkähnlichen Garten hat, siehe link für mehr Infos.
in Taiba (Nähe Lagune):
- Pousada Tramuntana
ca. 1 Minute zur Flachwasserlagune Lagoa da Taiba, direkter Strandzugang (Wind fast auflandig), wird locker wie ein Hostel geführt.
www.pousadatramuntana.com
Eine Reservierung ist Weihnachten/Neujahr und Carneval zu empfehlen!